"Wenn zwei Geister wollen, was zwei Körper wollen" Bent Branderup

Klassische Reitlehre & Bioresonanz

Silke Schnura

In den letzten 40 Jahren habe ich Lehrer, Methoden, Material und Reitweisen kommen und gehen gesehen.

Immer wieder neue Methoden, die helfen sollten, uns Reiter zu besseren Reitern und die Pferde zu gesünderen Reitpferden zu machen.

Immer neue Hilfsmittel, ausgefeilte Ausbindesysteme, neue Gebisse, alte Gebisse in neuem Design kamen auf den Markt und fanden ihre Käufer.

Nur:

"Wir reiten keinen "Stil" sondern ein Pferd" sagte einmal Jean Claude Dysli, und er hat wohl recht.

Was geblieben ist und sich niemals verändert hat, ist das tiefe Gefühl, Verbundenheit und Harmonie mit dem Pferd zu spüren. Sich aufeinander einzulassen, hinzuspüren, hinzuhören und genau hinzusehen.

Ich lernte mit 10 Jahren, dass Pferde "wilde" Wesen seien, die man zähmen musste. Mit starker Hand und Kraft. Mein Reitlehrer war dieser Mensch, der drohend in der Mitte der Bahn stand und uns anschrie, wenn wir die Kommondos nicht sofort ausführten, die er gab. Er schmiss auch schon mal mit seinem Schlüssel nach den Pferden und in jeder Reitstunde flog jemand runter. Aufsitzen ohne Bügel, Hohn und Spott brachten mich allerdings nicht davon ab, reiten lernen zu wollen, sondern weckten meinen Ehrgeiz. Ich hatte mich mit diesem Pferdevirus infiziert.

Eines der wenigen Bilder aus jungen Jahren: 1983 - rechts unten kniend.

Mit 20 Jahren war ich bemuskelt wie ein Bodybuilder und durfte Pferde reiten, die in den höchsten Dressurklassen gingen und mich als Reiter nicht wirklich ernst nahmen, so dass man mir sagte, ich müsse dominanter werden. Also wurde ich dominant im Umgang mit Pferden und war doch nichts weiter als ein gefühlloser Sack auf dem Rücken der Pferde, die ihr Programm abspulten, sobald die Musik lief oder sie ihre Lektion erkannten. Ich wusste es nicht besser und alle ritten so.

Mit 30 Jahren bekam ich mein erstes Kind, ein Mädchen, stieg erst einmal aus dem Berufsleben aus und stellte alles in Frage, was ich bis dato gemacht hatte.

Mit 33 bekam ich Zwillinge, ebenfalls Mädchen und ich hatte die Natur wiederentdeckt, die Naturheilkunde, begann dann eine Seelsorge Ausbildung, war Vollzeit Mutter und ritt nur noch gelegentlich. Meine Kraft war dahin und dieses ewige Bremsen und Treiben gleichzeitig spiegelt sich ja bis heute in Teilen unserer Gesellschaft wieder. Mit 35 Jahren stieg ich für mich endgültig aus dem Reitsport aus, zog nach Hildesheim und absolvierte dort an der Paracelsusschule in Hannover meine Ausbildung zur Heilpraktikerin.

Schule, Kinder, Haushalt, fremde Umgebung, Familie weg, keine Unterstützung mit den Kindern, ließen mich 2006 mit Herzrhythmusstörungen, Panikattacken, Schweißausbrüchen und nicht definierbaren sonstigen Symptomen im Krankenhaus landen.

Diagnose: Burn Out. Psychosomatische Erkrankung des Nerven und Herz- Kreislaufsystems.

"Sie müssen Aufgaben abgeben - und - machen Sie eine Psychotherapie!" war der Tipp  des Arztes. Er sagte mir nur nicht, an WEN und warum Therapie? Ich funktionierte nicht mehr.

Mein Hausarzt und Psychotherapeut stellte mir nur eine einzige Frage: "Was haben Sie als Kind gemacht, wenn Ihnen alles zu viel wurde?"

Ich dachte kurz nach: "Ich ging in den Stall, zu den Pferden"

Mit dem Satz: "Suchen Sie sich einen Stall und fangen wieder an zu reiten" war meine Therapie zu Ende und ich suchte in der näheren Umgebung nach einem Stall, an dem ich wieder anfangen konnte, zu reiten.

Ich fand einen Westernstall und war beeindruckt, wie man Pferde einhändig leicht reiten konnte. Geblendet von der angeblichen Leichtigkeit wollte ich Westernreiten lernen. Nur drauf sitzen, ein paar Hilfen kennenlernen und die Lektionen ritten sich von alleine.

Allerdings war schon nach ein paar Stunden klar, dass ich mich nicht dem Westernreiten verschreiben konnte, mein Dressursitz ließ sich mit der lässigen Art der Cowboys nicht überein bringen und so cool es auch bei anderen aussah, ich habe nach kurzer Zeit wieder aufgehört.

Tja, und so nahm mich meine Reitlehrerin Conny unter ihre Fittiche und setzte mich auf ihr Pferd. Ein hoch ausgebildetes Dressurpferd, ein Spanier, der unter meiner Reitlehrerin locker die schwierigsten Lektionen lief und unter mir keinen Meter.

Mit Conny (Cornelia Begemann) begann mein Weg in die klassische Reitlehre. Ich bin ihr von Herzen dankbar

25 Jahre Reiterfahrung und ich konnte nichts damit anfangen. Ich musste ganz von vorn anfangen, alles Gelernte über Bord werfen und setzte mich theoretisch und praktisch mit der Klassischen Reitweise auseinander. Kein Ziehen, kein Zerren, keine Schuldzuweisungen mehr ans Pferd. Können Sie sich vorstellen, wie das war, als ich meinen ersten fliegenden Wechsel nur durch Gewichtsverlagerung geritten bin? Ich habe die ganze Welt umarmt!

Übrigens habe ich in der Zeit meine Ängste verloren, mein Herz spielte nicht mehr verrückt und mein Alltag wurde wieder leichter.

2006 kauften wir Clayton, einen damals 4 jährigen Wallach, der absolut lieb im Umgang war, Pleasure ausgebildet - seinen Takt verloren hatte und sein langer Hals hatte einen falschen Knick. Ich fing mit ihm von vorne an und er ist heute, mit seinen 14 Jahren ein Traumpferd. Gesund, gut geritten und gymnastiziert.

  • Clayton 2007_1
    Clayton 2007_1
  • Hints Classic Clayton
    Hints Classic Clayton
  • Clayton2-k
    Clayton2-k


Vor 10 Jahren fand ich Princess, meine kleine Quarter-Horse-Stute ängstlich in unserer Halle. Sie war gerade drei geworden und sollte angeritten und verkauft werden. Bis dato kannte sie nur ihre Familie auf der Weide. Sie entsprach genau dem Pferd, welches ich nicht wollte, und so kaufte ich sie. Entgegen aller Ratschläge und Entgegnungen, ich könne aus ihr kein Reitkunst-Pferd machen, schlug ich den Weg der klassischen Ausbildung ein und lernte die Akademische Reitkunst nach Bent Branderup kennen. Biomechanik wurde mein Steckenpferd und vor ein paar Jahren nahm ich mit Princess an meinem ersten Seminar bei Bent teil und begann wieder von vorn. Ein Quarter ist kein Spanier, und dass sie nicht geeignet war, habe ich ihr nie gesagt. Heute hält man sie für ein kleines Warmblut unterm Sattel.

  • Geduld
  • Heitere Gelassenheit und
  • Lächelnde Nachsicht

sind die Eckpfeiler meiner Arbeit.

Es lohnt sich. Am Anfang mit Geduld und kleinen Schritten die Basics zu erarbeiten, erspart später Jahre in der Ausbildung. Vor allem und gerade wenn Reiter Turniererfahrungen sammeln und über die Klasse L hinaus wollen, müssen die Basics von Anfang an erarbeitet werden.

Ich bin kein Trainer nach...

sondern habe gelernt, dass jedes Pferd und jeder Reiter seinen eigenen Weg hat und keine Methode zum Erfolg führt, sondern ein ganzheitlicher Ansatz. Ich habe von allen Lehrern gelernt und mir die Rosinen aus verschiedenen Reitstilen herausgepickt und für mich, den Unterricht und Beritt miteinander vereint. Es lohnt sich immer über den Tellerrand zu schauen um Neues zu lernen.

"Um eins zu werden, müssen zwei Geister wollen, was zwei Körper können" (Zitat Bent Branderup) bedingt, dass Kunst dort beginnt, wo Pferd und Mensch in Einheit, Losgelassenheit und harmonisch miteinander etwas erlebt haben.

Es geht nicht um die formvollendete Piaffe, nicht um fliegende Wechsel und Gallopppirouetten, sondern um die vielen Kleinigkeiten, die uns spüren lassen, einen Partner an unserer Seite zu haben, der sich uns vertrauensvoll zuwendet und Spaß daran hat, mit uns gemeinsam etwas zu erleben. Wenn da irgendwann die Piaffe bei herauskommt, ist das eine Nebenwirkung, die ich nicht ausschließen kann.

Ihre

Silke Schnura

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