Reitkunst am Bodensee

"Wenn zwei Körper können, was zwei Geister wollen" Zitat Bent Branderup

Silke Schnura

geboren am 20.12.1967 in Hagen in NRW

Heilpraktikerin in Überlingen in eigener Praxis

Mutter dreier Mädchen im Alter von 16 und 19 Jahren, verheiratet. Pferdemensch.


In den letzten 40 Jahren habe ich Lehrer, Gurus, Methoden, Material und Reitweisen kommen und gehen gesehen.

Immer wieder neue Methoden, die helfen sollten, uns Reiter zu besseren Reitern und die Pferde zu gesünderen Reitpferden zu machen.

Was geblieben ist und sich niemals verändert hat, ist das tiefe Gefühl, Verbundenheit und Harmonie mit dem Pferd zu spüren. Sich aufeinander einzulassen, hinzuspüren, hinzuhören und genau hinzusehen.

Ich lernte mit 10 Jahren, dass Pferde "wilde" Wesen seien, die man zähmen musste. Mit starker Hand und Kraft.

Mit 20 Jahren war ich bemuskelt wie ein Bodybuilder und ritt Pferde, die in den höchsten Dressurklassen gingen und mich als Reiter nicht ernst nahmen, so dass man mir sagte, ich müsse dominanter werden. Also wurde ich dominant im Umgang mit Pferden und war doch nichts weiter, als ein gefühlloser Sack auf dem Rücken der Pferde, die ihr Programm abspulten, sobald die Musik lief oder sie ihre Lektion erkannten.

Mit 30 Jahren bekam ich mein erstes Kind, ein Mädchen und stieg aus dem Berufsleben ( Immobilienverwaltung + Verkauf) aus und stellte alles in Frage, was ich bis dato gemacht hatte.

Mit 33 bekam ich Zwillinge, ebenfalls Mädchen und ich hatte die Natur wiederentdeckt, die Naturheilkunde, begann dann eine Seelsorge Ausbildung, war Vollzeit Mutter und ritt nur noch gelegentlich. Meine Kraft war dahin und dieses ewige bremsen und treiben gleichzeitig spiegelt sich bis heute in unserer Gesellschaft wieder. Mit 35 Jahren stieg ich für mich endgültig aus dem Reitsport aus, zog nach Hildesheim und absolvierte dort an der Paracelsusschule in Hannover meine Ausbildung zur Heilpraktikerin.

Schule, Kinder, Haushalt, fremde Umgebung, Familie weg, keine Unterstützung mit den Kindern, ließen mich 2006 mit Herzrythmusstörungen, Panikattacken, Schweißausbrüchen und nicht definierbaren sonstigen Symptomen im Krankenhaus landen.

Diagnose: Burn Out. Psychosomatische Erkrankung des Nerven und Herz- Kreislaufsystemes.

"Sie müssen Aufgaben abgeben - und - machen Sie eine Psychotherapie!" war der Tip des Arztes. Er sagte mir nur nicht, an WEN und warum Therapie? Ich funktionierte nicht mehr.

Mein Hausarzt und Psychotherapeut stellte mir nur eine einzige Frage: "Was haben Sie als Kind gemacht, wenn Ihnen alles zuviel wurde?"

Ich dachte kurz nach: "Ich ging in den Stall, zu den Pferden"

Mit dem Satz: "Suchen Sie sich einen Stall und fangen wieder an zu reiten" war meine Therapie zu Ende und ich suchte in der näheren Umgebung nach einem Stall, an dem ich wieder anfangen konnte, zu reiten.

Ich fand einen Westernstall und war beeindruckt, wie man Pferde einhändig leicht reiten konnte. Geblendet von der Leichtigkeit wollte ich Westernreiten lernen.

Allerdings war nach ein paar Stunden klar, dass ich mich nicht dem Westernreiten verschreiben konnte,  die Dressur lag mir im Blut und die Lässigkeit im Sattel fehlte mir ebenso.

Tja, und so nahm mich meine Reitlehrerin Conny unter ihre Fittiche und setzte mich auf ihr Pferd. Ein hoch ausgebildetes Dressurpferd, ein Spanier, der unter meiner Reitlehrerin locker die schwierigsten Lektionen lief und unter mir keinen Meter.

25 Jahre Reiterfahrung und ich konnte nichts damit anfangen. Ich musste ganz von vorn anfangen, alles Gelernte über Bord werfen und setzte mich theoretisch und praktisch mit der Klassischen Reitweise auseinander. Kein ziehen, kein zerren, keine Schuldzuweisungen mehr ans Pferd. Können SIe sich vorstellen, wie das war, als ich meinen ersten fliegenden Wechsel nur durch Gewichtsverlagerung geritten bin? Ich habe die ganze Welt umarmt!

Übrigens habe ich in der Zeit meine Ängste verloren, mein Herz spielte nicht mehr verrückt und mein Alltag wurde wieder leichter.

2006 kauften wir Clayton, einen damals 4 jährigen Wallach, der absolut lieb im Umgang war, Pleasure ausgebildet - seinen Takt verloren hatte und sein langer Hals hatte einen falschen Knick. Ich fing mit ihm von vorne an und er ist heute, mit seinen 14 Jahren ein Traumpferd. Gesund, gut geritten und gymnastiziert.

  • Clayton 2007_1
    Clayton 2007_1
  • Hints Classic Clayton
    Hints Classic Clayton
  • Clayton2-k
    Clayton2-k


Vor 10 Jahren fand ich Princess, meine kleine Quarter Horse Stute ängstlich in unserer Halle. Sie war gerade drei geworden und sollte angeritten und verkauft werden. Bis dato kannte sie nur ihre Familie auf der Weide. Sie entsprach genau dem Pferd, welches ich nicht wollte und so kaufte ich sie. Entgegen aller Ratschläge und Entgegnungen, ich könne aus ihr kein Reitkunst Pferd machen, schlug ich den Weg der klassischen Ausbildung ein und lernte die Akademische Reitkunst nach Bent Branderup kennen. Biomechanik wurde mein Steckenpferd und vor ein paar Jahren nahm ich mit Princess an meinem ersten Seminar bei Bent teil und begann wieder von vorn. Ein Quarter ist kein Spanier, und das sie nicht geeignet war habe ich ihr nie gesagt. Heute hält man sie für ein kleines Warmblut unterm Sattel.

  • Geduld
  • Heitere Gelassenheit und
  • Lächelnde Nachsicht

sind die Eckpfeiler meiner Arbeit.

Es lohnt sich. Am Anfang mit Geduld und kleinen Schritten die Basics zu erarbeiten, erspart später Jahre in der Ausbildung.


Im Laufe der Jahre gab ich mein Wissen und meine Erfahrung an viele Schüler weiter, zweifelte, bildete mich und mein Pferd weiter aus, verbarg meine Enttäuschung, wenn das Pferd mal wieder Schuld war, dass der Reiter nicht weiterkam oder der Reiter gar nicht lernen wollte, sondern nur Reitlehrerhopping betrieben hatte um sich selbst zu bestätigen. In den letzten Jahren entwickelte ich meinen eigenen Weg. Ich unterrichte gern, aber nicht mehr Jeden. Das mag sich erst einmal komisch anhören und abschreckend wirken aber mein Anliegen ist es, Sie und Ihr Pferd wahrzunehmen und Sie beide zu unterstützen.

  • Schüler, die mir sagen, wie ihr Pferd ist und dass es nur so laufen kann, weil .. und dass es nur so geht ... nehme ich nicht mehr. Dienstleister, die ihren Kunden nach dem Mund reden gibt es genug und sie sind nicht nur einfach zu finden, sie kosten auch nicht viel.

"Um eins zu werden, müssen zwei Geister wollen, was zwei Körper können" (Zitat Bent Branderup) bedingt, dass Kunst dort beginnt, wo Pferd und Mensch in Einheit, Losgelassenheit und harmonisch miteinander etwas geschafft haben.

Es geht nicht um die formvollendete Piaffe, nicht um fliegende Wechsel und Gallopppirouetten, sondern um die vielen Kleinigkeiten, die uns spüren lassen einen Partner an unserer Seite zu haben, der sich uns vertrauensvoll zuwendet und Spaß daran hat, mit uns gemeinsam etwas zu erleben. Wenn da irgendwann die Piaffe bei herauskommt, ist das eine Nebenwirkung, die ich nicht ausschließen kann.

Ihre

Silke Schnura